Klassik-Disco

Samstag, 29. Juni 2019     19.30 Uhr

Eröffne dir neue Klang – und Erlebniswelten bei freiem Tanzen zu klassischer Musik – von Bach bis Strawinsky

Preis: 15,00 €

Panakeia    Lazarettstr.1 in Landau


Presseartikel zur 1. Landauer Klassik-Disco:

LANDAU: KULTUR REGIONAL 19.11.2018

Socken weichen dem Barfußtanz

Reportage: Disco mal ganz anders ist eine Idee, die Musiker und Musikpädagoge Rüdiger Böhm aus Berlin mit nach Landau gebracht hat. Gemeinsam mit Tanztherapeutin Karin Sobiesinski lud er zur ersten Klassik-Disco ins ehemalige Lazarett. Statt auf einem unbequemen Stuhl sitzend starr der Musik zu lauschen, sollen die Gäste die Gefühle, die klassische Musik in ihnen auslöst, in Bewegung umsetzen.

Von Sonja Roth-Scherrer

Opern und Musicals geben den Ton an bei der ersten Klassik-Disco.( Foto: van Schie)

Opern und Musicals geben den Ton an bei der ersten Klassik-Disco.

Es ist gespenstisch still. Portal und Vestibül des stattlichen Klinkerbaus aus der Gründerzeit erwecken den Eindruck von Ehrfurcht. Im denkmalgeschützten Lazarett, das der Straße ihren Namen verleiht, haben vor mehr als 100 Jahren die Franzosen ihre Kranken geheilt. Heute bieten hinter den ehrwürdigen Mauern Firmen unterschiedlichster Genres heilende Künste an. Auch das Institut für integrale Heilkunst, „Panakeia“. Außer naturnaher, medizinischer Hilfe können dort Menschen auf dem Weg zu sich selbst in Kursen positive Bewusstseinsveränderung erfahren.

Dort soll sie nun stattfinden, die erste Klassik-Disco in Landau. Hinweisschilder weisen den Weg: „Erste Etage, rechts“. Statt eines Türstehers verweist ein Schild im verwaisten Flur auf die Kleiderordnung: „Bitte Schuhe ausziehen“. Immer noch Stille. Die nächste Tür schließlich entpuppt sich als „Sesam öffne Dich“ zum Tanz ins eigene Ich. Ein großer heller Raum, getragen von einer stuckverzierten grünen Säule. Auf den Simsen großer Rundbogenfenster strecken Knabenkräuter ihre Wurzeln in alle Richtungen. Zehn Menschen stehen im Kreis und hören von Rüdiger Böhm, dass er die Idee zu dieser ungewöhnlichen Art, klassische Musik zu erleben, aus Berlin mitgebracht habe. Statt in einem überheizten Raum auf einem unbequemen Stuhl sitzend starr der Musik zu lauschen, wollen der vielseitige Musiker und Musikpädagoge sowie die Tanztherapeutin Karin Sobiesinski ihre Gäste dazu bewegen, die Gefühle, die klassische Musik in ihnen auslöst, in Bewegung umzusetzen. Geplant sind drei Runden à 30 Minuten, dazwischen Pausen zum Erfrischen und für Gespräche. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ist es dann soweit.

Zu einer Klaviersonate von Beethoven setzen sich die Füße langsam in Bewegung. Einige haben vorsorglich bequeme Kleidung mitgebracht, andere tanzen, wie Rüdiger Böhm, in Jeans und Hemd durch den Raum. Im Verlauf der ersten Runde fallen zunächst anbehaltene wärmende Hüllen, gestrickte Rutschersocken weichen dem Barfußtanz. Im Schummerlicht aus farbig dumpfem Glas orientalischer Laternen bewegen sich die Gäste zu einem Medley aus Leonard Bernsteins Musical Westside-Story zunehmend freier, laufend und hüpfend durch den Raum. Körperspannung und elegante Drehungen löst der Tanz der Zuckerfee aus Tschaikowskis „Nussknacker“-Suite aus. Zum bekanntesten Satz aus Händels Oratorium „Messias“ schnellen zeitgleich alle Arme in den Himmel. Hans aus Edenkoben singt laut das „Halleluja“ mit. Im Schein einer papiernen Stehlampe beobachtet ein kniehoher steinerner Buddha das Geschehen, ihm gegenüber wirkt ein wuchtiger grauer Schrank wie der Felsenkoloss des Bergkönigs, während zur „Morgenstimmung“ aus Edvard Griegs Peer-Gynt-Suite sich bei allen Tanzenden sicht- und spürbar die Brustkörbe weiten, gebeugte Rücken sich recken.

Im Pausengespräch offenbaren Katja aus Godramstein und ihr Begleiter Matthias die professionelle Ausführung ihres Ausdruckstanzes. Ohne Worte haben beide synchron den gesamten Raum erobert, jetzt alleine, dann wieder gemeinsam die Mittelsäule umarmt, Rücken an Rücken sich umeinander windend und zur Säule erstarrt, mal auf dem Boden kriechend, dann im Verlangen, bis zur unerreichbaren Decke zu springen: Katja ist in einer ayurvedischen Praxis im Landauer Ostring als Klangtherapeutin tätig und Matthias wirkt in Karlsruhe als Tanztherapeut. Im Bistro KulturCantina haben sie das Werbeplakat mit der Einladung zur ersten Landauer Klassik-Disco entdeckt und beschlossen, dabei zu sein.

„Durch die Emotionen, die die Musik in mir ausgelöst hat, habe ich viel über mich erfahren“, gab sich Olinda nach dem ersten Block erstaunt über die befreiende Wirkung der Bewegung. Anfangs noch zaghaft sich in einer Ecke bewegend, hat auch die Übersetzerin, die erste Erfahrungen aus einem Frauenkurs bei Karin Sobiesinski mitgebracht hatte, zunehmend Vertrauen in sich selbst gewonnen und mit zunehmender Leichtigkeit mehr Raum eingenommen.

Unter dem Label „Symphonia“ wollen Böhm und Sobiesinski Menschen durch Musik, Tanz und Naturerfahrung auf den Weg zur Selbstfindung führen. Für Böhm ist die Herausforderung, klassische Musik in modernem Discoflair zu tanzen ein weiterer Schritt zur Bewusstseinserweiterung.